Der Zucker und unsere Psyche

Immer wieder werden wir gefragt, ob wir nicht irgend etwas in unserem Leben vermissen? Die extra Portion Süße eben? Und immer wieder geben wir dieselbe Antwort: ganz und gar nicht. Wir naschen gern und ziehen oft das Süße dem Herzhaften vor, aber und das ist der große Unterschied, wir schmecken eben einfach schon deutlich anders. In der ersten Zeit, in der wir zuckerfrei lebten, gab es immer wieder Situationen, die uns selbst total überrascht haben. Je länger wir auf das weiße Pulver verzichteten, desto häufiger hatten wir solche "Aha-Momente", in denen wir das Gefühl hatten, einen neuen, ganz anderen und viel genaueren Geschmackssinn entwickelt zu haben. Als Beispiel fällt mir hier eine Situation ein, in der ich das erste Mal nach meinen "Zuckerentzug" eine frische Erdbeere aß und ich völlig überwältigt war von ihrem Geschmack und der intensiven Süße.



Die Erneuerung deiner Geschmacksknospen dauert tatsächlich gar nicht mal so lange wie du vielleicht glaubst, in der Regel sogar nur 10-14 Tage. Das heisst für dich, du kannst innerhalb von nur zwei Wochen ganz neue Essgewohnheiten entwickeln und deinen Geschmack neu trainieren bzw. umerziehen. Wenn das mal nicht tolle Neuigkeiten sind, oder?


In dem Zusammenhang ist es auch interessant zu wissen, dass sich auf einem 1 x 1 cm großen Stück Zunge bereits 1000 Geschmacksknospen befinden, die nur dann erhalten bleiben, wenn du sie regelmäßig trainierst, d.h. wenn wir uns durch sämtliche Geschmacksrichtungen testen, die da wären, sauer, salzig, süß, bitter und herzhaft. Durch all die künstlich zubereiteten Nahrungsmittel in unserer Gesellschaft verkümmern außerdem zahlreiche Geschmacksknospen. Um dem entgegen zuwirken, ist es nicht nur wichtig viele natürliche und pflanzliche Lebensmittel zu sich zu nehmen. Auch ein bewusstes und achtsames Essen inklusive gründlichem Kauens, eine große Vielfalt auf deinem Teller und das Wahrnehmen von Essen mit geschlossenen Augen kann dabei helfen, neue Geschmacksknospen zu bilden.

Hierzu jedoch ein kleiner Tipp am Rande, wenn du deine Geschmacksknospen erneuert und auf weniger Süße trainiert hast, heisst das eben nicht, dass das auch die Menschen in deinem Umfeld gemacht haben :-)


Diese Erfahrung habe ich neulich erst wieder machen müssen, als ich zusammen mit Oskar einen Kuchen gebacken habe und erneut den Zuckererstaz reduziert habe, weil es mir noch immer zu süß war. Ich glaube jedoch in den Gesichtern meiner Gäste erkannt zu haben, dass Ihnen ganz klar etwas fehlte :-) Also lieber etwas mehr von dem gesunden Zuckerersatz als zu wenig für Anfänger in dem Bereich.


Und unabhängig von den Geschmacksknospen spielt leider noch ein anderer Aspekt eine große Rolle, wenn du alte Muster durchbrechen möchtest. Denn dein Geschmack allgemein hat nicht nur etwas mit deinen Geschmacksknospen zu tun, sondern ist auch stark mit deiner Psyche verbunden. Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen beeinflussen dich ebenso und genau diese machen es uns oft schwer auf Süßigkeiten und Co. zu verzichten. Denn vielleicht ist ein Stück Schokolade eben nicht nur super lecker, sondern weckt in dir wunderschöne Erinnerungen an deine Kindheit. Sie gibt dir vielleicht sogar das Gefühl von Geborgenheit, ganz genau so wie früher als Mama dir genau diese Schokolade mitgebracht hat als sie dich vom Kindergarten abgeholt hat. 


Ja, es ist also manchmal gar nicht so einfach, seinen Geschmack langfristig zu verändern, aber die Tatsache, dass dein Körper dazu nach nur zwei Wochen in der Lage ist, hat es mir damals einfacher gemacht meiner Psyche zu zeigen, dass ich bestimme und ich neue positive Erinnerungen und Gefühle mit gesunden Lebensmitteln verknüpfen kann. Und genau das versuche ich auch Oskar mit zu geben. Denn wer sagt denn, dass es immer der liebe Zucker und all die zuckerhaltigen Produkte sein müssen, die uns ein Gefühl von Genuss oder Geborgenheit bescheren. 


In diesem Sinne, zuckerfreie Grüße,

deine Loreen

© 2019 Fräulein Immersatt

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